Medikamente

Bei schweren Fällen einer Depression ist die Therapie mit Medikamenten meist nicht zu umgehen.
Dabei kommen in den meisten Fällen Antidepressiva zum Einsatz. Diese machen, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, nicht abhängig. Allerdings können sie zuweilen mehr oder weniger starken Nebenwirkungen haben, zum Beispiel eine Veränderung des Gewichts.

Damit diese Medikamente ihre volle Wirkung entfalten können, ist es wichtig, dass man sie über einen längeren Zeitraum regelmäßig einnimmt. Meist dauert es bis zu zwei Wochen, bis eine Wirkung zu bemerken ist. Der erkrankte sollte dies wissen, damit der nicht schon nach einigen wenigen Tagen die Medikamente selber ständig absetzt, weil er glaubt, dass sie bei ihm sowieso nichts bewirken.

Die Anwendung solcher Medikamente zieht sich normalerweise über mehrere Monate, in manchen Fällen sogar über Jahre, hinweg. Dabei ist es wichtig, dass die medikamentöse Behandlung ständig von einem Arzt überwacht wird, da die Dosierung zuweilen angepasst werden muss oder bei Nebenwirkungen rechtzeitig reagiert werden kann. Es ist zudem wichtig, dass der Patient seinem Arzt Veränderungen, die sowohl körperlich als auch psychisch sein können, mitteilt.

Neuere Untersuchungen haben übrigens gezeigt, dass bei leichten und mittleren Depressionen eine Behandlung mit Antidepressiva nicht unbedingt wesentliche Vorteile bringt.

Moderne Antidepressiva, welche von vielen Ärzten bei Depressionen eingesetzt werden, sind Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Zu den eher älteren Antidepressiva zählen hingegen die Trizyklischen Antidepressiva sowie die Monoaminooxidase-Hemmer. Die Wirkung von Antidepressiva ist darauf zurückzuführen, dass die Botenstoffsysteme im Gehirn beeinflusst werden. Ein großer Vorteil der modernen Antidepressiva besteht darin, dass diese Medikamente besser verträglich sind.

 

Gefühlschemie im Kopf

Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin übertragen Reize zwischen den Nervenzellen im Hirn und beeinflussen die Stimmung. So wirkt Serotonin zum Beispiel harmonisierend. Die Botenstoffe docken an den Rezeptoren der Postsynapse an und lösen einen Impuls aus. Gewöhnlich kehren sie über Rücktransporter in die Präsynapse zurück. Dort werden überzählige Mengen durch das Enzym Monoaminoxidase abgebaut. Bei Depressiven liegt der Serotoninspiegel deutlich unter dem Normalwert. Antidepressiva hemmen deshalb die Wiederaufnahme oder die Monoaminoxidase. So können mehr Botenstoffe an die Rezeptoren gelangen. Das verstärkt ihre Wirkung.

In der modernen Depressionsbehandlung spielen antidepressiv wirkende Arzneimittel eine entscheidende Rolle. Gerade in schweren Fällen sind die Medikamente unverzichtbar, weil sie meist schneller wirken als eine Psychotherapie. Manchmal eröffnen sie Patienten auch erst den Weg dahin. In leichteren Fällen muss abgewogen werden, ob eine medikamentöse Behandlung, eine Psychotherapie oder eine Kombination aus beidem angebracht ist.

Die überwiegende Mehrzahl der Präparate teilt sich in folgende vier Klassen auf:
1. Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA)
2. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
3. Serotonin-Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer (SNRI)
4. Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)

Alle diese Mittel verstärken die Wirkung der beiden Botenstoffe Noradrenalin beziehungsweise Serotonin im Gehirn, allerdings auf unterschiedliche Weise.

So blockieren die TZA die Synapsen für die beiden Substanzen. Die Folge: Die Botenstoffe können nicht wiederaufgenommen werden und stehen deshalb in erhöhtem Maß an den Kontaktstellen der Nervenzellen zur Verfügung.

SSRI hemmen dagegen jene Rücktransporter, die das Serotonin wieder aus dem synaptischen Spalt in die Zelle zurückpumpen. Neuere Wirkstoffe wie die Serotonin-NoradrenalinWiederaufnahmehemmer (SNRI) funktionieren nach demselben Prinzip wie die SSRI, greifen aber sowohl in die Wiederaufnahme von Serotonin als auch in die von Noradrenalin ein.

Die MAOHemmer schließlich unterdrücken die Aktivität des Monoaminoxidase-Enzyms, das gewöhnlich die Botenstoffe abbaut.

Keines dieser Psychopharmaka zeigt seine Wirkung sofort. Sie entfalten sie erst innerhalb von zwei bis vier Wochen, wenn sie täglich eingenommen werden. Nach vier bis sechs Wochen klingen die Beschwerden bei 50 bis 70 Prozent der Patienten spürbar ab.
Wichtig: Wenn sich der Zustand bessert, dürfen die Medikamente nicht sofort wieder abgesetzt werden, weil sonst leicht ein Rückfall eintritt. Stattdessen sollte der Patient die Dosis vier bis sechs Monate halten und erst dann über zwei bis drei Wochen schrittweise reduzieren.

Antidepressiva machen nicht süchtig und verändern auch nicht die Persönlichkeit.
Allerdings können sie Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit hervorrufen, die manchmal lästig, aber selten gefährlich sind.

Naturheilmittel

Viele - oft rezeptfrei käufliche - pflanzliche Mittel sollen angeblich bei psychischen Störungen helfen. Doch für nahezu alle davon, wie zum Beispiel Kava-Kava oder Bachblüten, konnte die Wirkung bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Allein für das Johanniskraut ist eine antidepressive Wirkung belegt. Jedoch ist die Wirkstoffkonzentration in vielen frei verkäuflichen Präparaten so gering, dass ein Erfolg unwahrscheinlich ist. Erst ab einer täglichen Dosis von mindestens 900 Milligramm Extrakt ist mit einem Effekt zu rechnen. Teilweise verordnen Ärzte sogar 1800 Milligramm. Wie Johanniskraut gegen die Depression wirkt, ist noch nicht geklärt. Vermutlich ist das darin enthaltene Hyperforin entscheidend, das wahrscheinlich wie synthetische Antidepressiva den Botenstoffhaushalt von Serotonin und Noradrenalin im Gehirn beeinflusst und deren Wiederaufnahme hemmt. Johanniskraut kann bei leichten bis mittelschweren Depressionen helfen. Für schwere Fälle ist die Wirksamkeit nicht belegt.
Vorsicht: Werden Johanniskrautpräparate zusätzlich zu synthetischen Antidepressiva eingenommen, können Wechselwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Angst und Ruhelosigkeit auftreten. Außerdem kann sich eine eventuelle Verwirrtheit verstärken. Die Präparate sollten deshalb nicht eingenommen werden, ohne mit dem behandelnden Arzt darüber zu sprechen.

Andere Medikamente gegen Depressionen

Manchmal setzen Ärzte zur Behandlung von Depressiven auch Arzneimittel ein, die hauptsächlich für andere Beschwerden vorgesehen sind. So können Beruhigungsmittel (Tranquilizer und Sedativa) in schweren Fällen gerade zu Beginn einer Therapie helfen, Ängste und Unruhe zu nehmen, bis die Wirkung der Antidepressiva einsetzt. Aber weil Präparate, die Benzodiazepine enthalten, bereits in niedrigen Dosen schnell abhängig machen, sollten diese nur über einen kurzen Zeitraum (maximal zwei Wochen) und unbedingt nach Anweisung des Arztes eingenommen werden.

Neuroleptika, die Ärzte gewöhnlich zur Behandlung von Schizophrenie-Kranken einsetzen, können auch depressive Patienten beruhigen und deren Angst dämpfen. Allerdings sind sie nur bei wahnhaften Depressionen sinnvoll. In anderen Fällen können sie sogar depressive Stimmungen hervorrufen oder verstärken.


 

 
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